Wie soziale Medien uns triggern und was wir tun können

Wie soziale Medien uns triggern und was wir tun können

Darüber, wie soziale Medien unser Leben beeinflussen, wurde bereits viel geschrieben und gesprochen. Ich selbst verwende sie aus, vor allem für meine Praxis, da es ein einfacher Weg ist, sichtbar zu sein und zum Beispiel diesen Artikel mit vielen Menschen zu teilen, die ich sonst nicht erreichen würde. Wie alles haben soziale Medien Vor- und Nachteile. In diesem Artikel möchte ich auf einen Aspekt eingehen, der meiner Meinung nach besonders wichtig ist und einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden hat: der Verlust des Blickes in unser Innerstes.

Das Problem der sozialen Medien

Wir leben in einer Zeit, in der wir von allen Ecken und Enden zugerufen bekommen, was andere machen. Wir wissen mehr über das Leben anderer als jemals zuvor, haben Einblick in Wohnzimmer von Menschen, die wir persönlich nicht oder nur flüchtig kennen. Und während wir auf dem Smartphone durch verschiedene soziale Medien scrollen, schöne Wohnungen, liebe Kinder, lustige Katzen, erfolgreiche Geschäftsleute und wunderschöne, schlanke Mitmenschen sehen, passiert es, dass wir uns mit jedem einzelnen von ihnen vergleichen. Und auch, wenn wir niemals darüber nachgedacht hatten eine Katze anzuschaffen, kann es passieren, dass wir uns in diesem Moment schlecht fühlen keine zu haben, da das Leben mit Katzen lustig zu sein scheint.  Wir fühlen uns schlecht, weil unsere Kinder kein Gemüse essen wollen, weil unser Sofa nicht ausziehbar ist und wir es nicht schaffen, Pflanzen so lange überleben zu lassen, als dass wir Zeit hätten, ein Foto mit ihnen zu machen und zu posten. Wir sind ständig damit konfrontiert, was andere haben, und lenken unseren Blick von uns selbst weg.

Dabei ist der Schlüssel für alles im Leben der Blick in uns – auf Dynamiken und Bewegung, Bedürfnisse, Kraft, Ressourcen und alles, was uns ausmacht. Der Blick in uns ist der Kontakt mit unserem Wesenskern.

Wie sollte ich mich selbst kennen, wenn ich mich auf andere fokussiere? Wie sollte ich etwas auf meine Art machen, wenn mein Verhalten eine Kopie des Verhaltens anderer ist? Wie sollte ich ein authentisches Leben führen, wenn ich mich an anderen orientiere? Wie soll ich wissen, was meine Bedürfnisse sind, wenn ich darauf höre, was laut anderer meine Bedürfnisse sein sollen?

Eine Welt voller Individuen

Die Welt ist ein Ort voller Individuen. Jeder wird einzigartig geboren. Gefühlt geht diese Einzigartigkeit auf dem Weg oftmals verloren. Wir lernen uns anzupassen, andere zu kopieren und uns an Vorbildern zu orientieren. Doch nichts, was Teil von uns ist, kann jemals verloren gehen. Es kann verkümmern und sich zurückziehen, wir können darauf vergessen, doch wenn wir uns daran erinnern, ist es da. Und mit Fürsorge und Liebe holen wir es wieder hervor, lassen es aufblühen und wachsen. Innehalten lässt uns weiterkommen und wachsen, da wir dem Eigenen und dem, was für uns persönlich zählt, Raum geben. Dein Wesenskern mag noch so verschüttet sein von Erwartungen, Angeeignetem, Verstrickungen und Meinungen, er ist da und er ist das, was du sowieso bist, während du zusätzlich dazu Erwartungen erfüllst.

Soziale Medien anders nutzen

Dein Wesenskern ist es, der dich zu genau dir macht. Und die Welt braucht genau dich und keine zweite Alexandra, Maria, Betty oder sonst jemanden. Wenn du mit deinem Wesenskern in Verbindung stehst, bist du in deiner Kraft. Und sind wir uns mal ehrlich: wie schön ist es, jemanden in seiner Kraft zu sehen?! Meiner Meinung nach wunderschön!

Und wie wäre es nun, wenn jeder einzelne von uns mit seinem Wesenskern in Verbindung und in seiner Kraft wäre? Wenn all das, was wir in den sozialen Medien kein Anlass dazu ist, sein eigenes Leben zu hinterfragen und sich zu vergleichen, sondern wir Abstand dazu nehmen können und es als das sehen, was es ist: eine Statusangabe einer Person zu einem bestimmten Zeitpunkt. Und wie wäre es, wenn du dann von dir eine kurze Statusangabe für dich selbst machst. Ich sitze gerade in der U-Bahn, weil ich zu einem Treffen mit einer Freundin fahre, die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Oder: ich liege gerade auf der Couch, hundemüde von der Arbeit, merke jedoch, wie der Stress langsam abfällt und ich Lust habe darauf zu lesen.

Intentionen sind meist völlig anders als deren Interpretation

Menschen posten ihre Fotos im Normalfall nicht um dir zu sagen: das ist das Leben, das du führen solltest. Meist posten sie es, um zu sagen: ich habe einen schönen Sonnenuntergang am Meer gesehen, ich habe eine wohlverdiente Woche Urlaub, ich trinke gerade ein leckeres Getränk mit meiner besten Freundin, meine Katze ist so süß, ich will, dass die ganze Welt sie sieht. Die Gedanken, die beim Betrachten der Bilder aufkommen können, das Minderwertigkeitsgefühl, die Unzufriedenheit mit deinem Job/Leben/Wohnung sind Themen, die in jedem selbst schlummern und angeschaut werden möchten. Die Bilder, Videos, etc. triggern uns, wenn wir mit etwas nicht im Frieden sind. Soziale Medien an sich für ihr Dasein zu verteufeln ist ein einfacher, aber nicht wirkungsvoller Weg. Das wirkungsvollste ist, wenn du dir drei Fragen stellst:

  1. Was ist es, was in mir ausgelöst wurde?
  2. Warum wurde es ausgelöst?
  3. Wie kann ich damit in den Frieden kommen? Und was kann ich dafür tun?

Mit diesen drei Fragen lenkst du deinen Blick nach Innen auf das, was gesehen werden möchte. Dann kann wieder Frieden einkehren und du erkennst, was du wirklich empfindest: dass deine Kinder zwar keinen Brokkoli essen, jedoch von Tomaten begeistert sind, dass du gar keine Zeit für eine Katze hättest und Katzenvideos genügen, dass deine Couch dich an deine WG Zeiten erinnert und es dich motiviert zu sehen, was andere sich erschaffen.

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